Stille Geburt

Gute Hoffnung – Jähes Ende

„Wenn ein Kind tot zur Welt kommt,
ist es eine stille Geburt, eine laut-lose Geburt,
denn dieses Kind verkündet nicht mit einem
ersten Schrei seine Ankunft in der Welt.“
(Michaela Nijs)

Lange Zeit wurde der Tod eines Ungeborenen oder neugeborenen Kindes in unserer auf Erfolg und Perfektion ausgerichteten Gesellschaft als absolutes Tabu betrachtet. Begriffe wie Fehlgeburt, Spätabort oder Fruchttod haben dazu beigetragen, dass viele betroffene Mütter es als Makel oder gar als persönliches Versagen betrachten, wenn ihr Kind nicht lebend zur Welt kommt oder kurz nach der Geburt stirbt.
Paare die eine sogenannte stille Geburt erleben müssen, werden oft von Schuldgefühlen geplagt und besonders Frauen fragen sich: „Habe ich das Kind zu wenig geliebt?“…

Eine Schwangerschaft wird als“ Zeit der guten Hoffnung“ bezeichnet und auch von den meisten Frauen so empfunden. Wenn diese Zeit vorzeitig endet und das erwartete Kind, egal in welcher Schwangerschaftswoche sich verabschiedet, werden auch Hoffnungen und Pläne, zunichte gemacht.

Durch die Initiative vieler engagierter Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen findet in den letzten Jahren ein Bewusstseinswandel statt. Es ist möglich geworden, über diese traumatischen Ereignisse offener zu sprechen und sich mit der besonderen Problematik mit Beteiligten auseinander zu setzen. Auch in Selbsthilfegruppen haben betroffene Eltern die Möglichkeit sich mit Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation auszutauschen und sich gegenseitige Unterstützung zu geben.

Die Trauerbegleitung nach einer „stillen Geburt“ ist selbstverständlich(er) geworden, z. B. betreuen Hebammen Frauen und ihre Partner auf diesem schweren Weg. Hebammen wissen wenn eine Schwangerschaft in Stille endet, oder das Kind unmittelbar nach der Geburt stirbt, ist das wahrscheinlich der schwierigste Verlust, den Eltern erleben können. Der erste Schrei wird nicht gehört, die Frau wird dieses Kind nie Stillen können …
Zum unerwarteten Tod kommt auch noch der Verlust der gemeinsamen Zukunft dazu.
Die Geburt eines Kindes bringt immer Veränderungen im Leben eines Paares mit sich. Aus einer Paarbeziehung entsteht eine Familie. Diese neue Phase der Beziehung ist mit neuen Hoffnungen verbunden und orientiert sich immer an der Zukunft.
Verstirbt nun ein Kind im Mutterleib oder kurz nach der Geburt fehlt dieser Übergang zur Familie und jedes Paar reagiert anders.
Es kann zu schweren Konflikten und Schuldgefühlen kommen. Andere Paare können den Verlust mit professioneller Hilfe wie durch PsychologInnen oder Hebammen so gut verarbeiten, dass zwischen ihnen eine neue tiefe, innige Nähe entsteht, die sie noch näher zusammen rücken lässt.

Verena Kast:“…Jeder der Partner( hatte) eine eigene Beziehung zum Kind; die Trauer kann nicht nur eine gemeinsame sein, sie muss auch eine Individuelle sein dürfen.“

Neben dem schmerzlichen emotionalen Verlust kommen auch noch diese Fragen auf die Mutter / die Eltern zu:
Wie verläuft die Geburt? Wie und wo wird mein Kind beerdigt? Wie lange habe ich Zeit mich vom ihm zu verabschieden? Will ich einen Pfarrer oder Pastor nach der Geburt dabei haben? Welchen Namen gebe ich meinem Kind? Kann ich es nach der Geburt sehen? Wie soll die Verabschiedung erfolgen?

Früher war es in Krankenhäusern üblich die Kinder, die vor der 24. Schwangerschaftswoche tot geboren wurden den Eltern nicht einmal zu zeigen, es war einfach so. Heute weiß man wie wichtig Rituale, des Abschiednehmens für die Trauerbewältigung jeder Stillen Geburt sind. Der Satz: „Sie sind ja noch jung und Sie können noch viele gesunde Kinder bekommen“, hat absolut nichts bei der Betreuung einer Stillen Geburt verloren!

„Auch wenn in der heutigen Zeit eine Schwangerschaft scheinbar „perfekt“ überwacht wird, wird es auch in Zukunft „Stille Geburten“ geben und daher ist es wichtig, dass die betroffenen Mütter und ihre Familie wissen, wo sie sich Hilfe und Beratung holen können und sie müssen wissen wie wichtig es ist sich von ihrem Kind zu verabschieden und ihre Trauer zuzulassen.“ Ingrid Lerch, langjährige Hebamme am LKH Villach

Eine traurig wirkende Frau blickt in die Ferne

Wenn ihr bei Nacht den Himmel anschaut,
wird es euch sein als lachen alle Sterne,
weil ich auf einen von ihnen wohne.
Ihr allein werdet Sterne haben, die lachen können-

und wenn ihr euch getröstet habt,
werdet ihr froh sein, mich gekannt zu haben,
ihr werdet immer meine Eltern sein-
-und eure Freunde werden sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen,
dass ihr den Himmel anschaut und lächelt.
(Antoine De Saint Exupery)

Links- und Literaturtipps:

Frauengesundheitszentrum Kärnten: (Hebammensprechstunde):
https://www.fgz-kaernten.at
Zugriff am 17.08.2018

Selbsthilfegruppe Kaernten:
https://www.selbsthilfe-kaernten.at/suchergebnisse/?af_filter[2][]=61
Zugriff am 17.08.2018

Geburtskanal:
www.geburtskanal.de
Zugriff am 17.08.2018

Stille Geburt:
www.stille-geburt.net

Stille Geburt“ Broschüre des Bundesministerium für Wirtschaft Familie und Jugend, 2010

„ Gute Hoffnung – Jähes Ende: Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit. Begleitung und neue Hoffnung für Eltern“, Hannah Lothrop, 2000, Kösel Verlag

„Wenn das Leben mit dem Tod beginnt“, Arbeitsgruppe „Der frühe Tod von Kindern“, 1994, Elwin Staude Verlag

„Trauer hat seine Zeit – Abschiedsrituale beim frühen Tod eines Kindes“, Michaela Nijs 2003, Hogefe

„Und wenn du dich getröstet hast, … – Bausteine für Begräbnis-, Abschieds- und Gedenkfeiern“, Mag.a Martha Leonhartsberger, beziehbar beim
Behelfsdienst Pastoralamt Linz, Kapuzinerstr. 84, 4020 Linz, behelfsdienst@dioezese-linz.at

„ Ich begleite dich durch deine Trauer“ Jorgos Canacakis, Kreuz-Verlag 1989

Quellenangaben:

„Die Stille Geburt – Über den Umgang mit fehl- und totgeborenen Kindern
und die Betreuung ihrer Mütter“, Kathleen Willamowski, 2003

„Trauer hat seine Zeit – Abschiedsrituale beim frühen Tod eines Kindes, Michaela Nijs 2003, Hogefe

„Nur ein Hauch von Leben“
mit Beiträgen von Verena Kast und Karl-Heinz Wehkamp,
Gottfried Lutz, Barbara Künzel-Riebel (Hg.), 1988, Verlag Ernst Kaufmann

Die Stille Geburt- Trauerbegleitung durch Hebammen, http://www.geburtskanal.de/index.html?mainFrame=http://www.geburtskanal.de/Wissen/T/Trauerbegleitung
DurchHebammen.php&topFrame=http://www.geburtskanal.de/Advertising/
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Bildquellen:
Trauer © photosky99_Fotolia_119448109_S_Trauer (https://de.fotolia.com/id/119448109#)

Autorin: Ingrid Lerch, Hebamme