Rheumatische Erkrankungen

„Rheuma“ ist der Überbegriff für Erkrankungen, die an den Bewegungs-organen auftreten und fast immer mit Schmerz und häufig mit Bewegungseinschränkungen verbunden sind. Rheumatische Erkrankungen beschränken sich nicht allein auf den Bewegungsapparat. „Rheuma“ ist eine Erkrankung von Bindegewebsstrukturen und Bindegewebe ist praktisch überall im Körper vorhanden, so können fast alle Organe im Körper bei einer rheumatischen Erkrankung beteiligt sein. Die Entstehung dieser Erkrankung ist teilweise unklar. Insgesamt umfasst der Begriff „Rheuma“ mehr als 400 Diagnosen die man in vier große Gruppen einteilen kann, entzündliche-rheumatische Erkrankungen, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulen-erkrankungen, Weichteilrheumatismus und Stoffwechsel-erkrankungen mit rheumatischen Beschwerden.

Wen betrifft es? 

Frauen sind laut Schätzungen um 60% häufiger von rheumatischen Erkrankungen betroffen als Männer. In vielen Fällen treten bei Frauen auch schwerere Krankheitssymptome und ungünstigere Krankheitsverläufe auf. Es gibt Unterschiede in der medizinischen Behandlung von Frauen, sie werden – obwohl sie häufiger betroffen sind – schlechter versorgt, da sie zurückhaltender behandelt werden z. B. entzündungshemmende Medikamente erst später im Krankheitsverlauf erhalten als Männer. Auch junge Frauen können von Rheuma betroffen sein. Im Schnitt dauert es dreieinhalb bis sieben Jahre bis eine Rheumapatientin bei einer Rheumatologin / einem Rheumatologen in Behandlung geht!

Was kann Frau tun? 

Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und werden Sie aktiv! Scheuen Sie sich nicht bei Beschwerden an Ihrem Bewegungsapparat die Ärztin / den Arzt Ihres Vertrauens aufzusuchen und das Thema rheumatische Erkrankungen anzusprechen. Bestehen Sie auf eine Testung Ihres „Rheumafaktors“ der bei der Diagnosestellung hilfreich sein kann und informieren Sie sich ausreichend, am besten nicht nur bei einer Person, denn eine „zweite Meinung“ kann eine wichtige Entscheidungshilfe sein.

Informieren Sie sich ganzheitlich über mögliche Behandlungsmethoden! Nicht immer ist die übliche medikamentöse Behandlung auch die für Ihren Körper am besten geeignetste. Scheuen Sie sich nicht unerwünschte Nebenwirkungen, oder nicht eintreffende Besserung anzusprechen.

Bleiben Sie in Bewegung! Ein wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie ist gezielte und richtige Bewegung, dadurch kann Schmerzen und Bewegungseinschränkungen vorgebeugt werden. Bauen Sie die „richtige“ Bewegung in Ihren Alltag ein nach dem Motto – Bewegung schafft Beweglichkeit. Achten Sie besonders beim Heben und Tragen auf eine gute Körperhaltung um Ihre Gelenke schonen.

Nehmen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch! Scheuen Sie sich nicht eine Physiotherapeutin / einen Physiotherapeut, oder eine Ergotherapeutin / einen Ergotherapeuten Ihres Vertrauens aufzusuchen. Die professionell angeleiteten therapeutischen Übungen dienen der Erhaltung und Wiederherstellung Ihrer natürlichen Beweglichkeit und verbessern Ihre koordinativen Fähigkeiten.

Achten Sie auf Ihr Gewicht! Übergewicht bedeutet eine höhere Belastung für Ihre Gelenke, was bei einer rheumatischen Erkrankung eine zusätzliche Belastung sein kann. Versuchen Sie mit einer langfristigen Umstellung Ihrer Ernährungsgewohnheiten Ihr Normalgewicht zu erreichen.

Scheuen Sie sich nicht Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen! Die Möglichkeit des Austausches von Erfahrungen mit Menschen die gelernt haben mit einer ähnlichen Erkrankung umzugehen kann eine wertvolle Hilfe und eine Unterstützung in besonders belastenden Erkrankungsphasen sein.

Stehen Sie für Ihre Rechte ein! Rheumatische Erkrankungen und ihre Folgen stellen Frauen oft auch am Arbeitsplatz vor neue Herausforderungen. Häufiger als Männer sind diese von Kündigung und Problemen bei der Wiedereinstellung betroffen. Scheuen Sie sich nicht in solchen Fällen eine Beratungseinrichtung in Anspruch zu nehmen und sich über Ihre Rechte als Dienstnehmerin zu informieren.

Link- und Buchtipps:

Selbsthilfe Kärnten – Selbsthilfegruppen zum Thema Rheuma
http://www.selbsthilfe-kaernten.at/cms/selbsthilfe_kaernten/?section=directory&cid=198
Österreichische Rheumaliga
http://www.rheumaliga.at/
Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation
http://www.rheumatologie.at/
Rheumaliga Schweiz – bewusst bewegt
http://www.rheumaliga.ch
Deutsche Rheumaliga
www.rheuma-liga.de
Info-Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie:
Warum zum Rheumatologen gehen?
http://dgrh.de/fileadmin/media/Patienten/Warum_zum_Rheumatologen_10-05.pdf

Starke Frauen voll im Leben – Leben mit rheumatoider Arthritis
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, 2006

Quellenangaben:

Rheumatoide Arthritis, Versorgungsalltag junger Frauen, Clio 66, 33. Jahrgang / Mai 2008Rheuma: vergleichende Forschung mit Defiziten, Managed Care 7/8, 2005
www.rheumaliga.at ; Zugriff am 14.05.2010, 16:22
www.rheuma-liga.de; Zufriff am 13.05.2010, 17:33
Rheuma: Frauen häufiger betroffen, aber schlechter versorgt, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/25970; Zugriff am 13.05.2010, 14:29
Rheuma: Frauen leiden anders, Männer auch; www.medizinpopulaer.at; Zugriff am 13.05.2010, 16:55
Männer und Frauen empfinden Schmerz unterschiedlich: Geschlechtsunterschiede berücksichtigen; www.journalmed.de; Zugriff am 13.05.2010, 16:24

Bildquellen:
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Autorin: Mag.a (FH) Christiane Hintermann, Gesundheits- und Pflegemanagerin, Sexualpädagogin