Psychosoziale Hintergründe für den Wunsch nach Sterilisation

Prinzipiell ist in Österreich jede Frau ab dem 25. Lebensjahr gesetzlich dazu berechtigt, sich sterilisieren zu lassen, sprich sich durch eine Operation die Eileiter durchtrennen zu lassen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Laut dem Frauenbericht aus dem Jahr 2010 des Bundeskanzleramtes machen in Österreich insgesamt rund 5% aller Frauen im gebärfähigen Alter, die verhüten möchten, von diesem Recht Gebrauch.

Die Arten, wie frau und nicht zuletzt ja auch man(n) verhüten kann, gibt es viele. Nur eine davon ist mit einer Fehlerquote von circa 1:1000 (d.h. dass sich 1000 Frauen durch einen operativen Eingriff ihre Eileiter durchtrennen lassen und somit steril, sprich unfruchtbar werden und in einem, von diesen 1000 Fällen, die Eileiter wieder zusammenwachsen und eine Schwangerschaft möglich wird) relativ endgültig. Durch einen mikrochirurgischen Eingriff kann zwar versucht werden, die Eileiter auf Wunsch der Frau später wieder miteinander zu verbinden und somit eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Aber selbst wenn frau bereit ist, die Kosten für die Sterilisation und auch deren Rückoperation zu tragen und die Eingriffe erfolgreich sind, gibt es keine ärztliche Garantie für eine natürliche Empfängnis und Schwangerschaft. Denn beide Eingriffe, sowohl die Sterilisation als auch die Rückoperation sind nicht nur mit finanziellen Belastungen, sondern auch mit Belastungen für Körper und Seele der Frau verbunden. Zusätzlich steht bei der Sterilisation ausschließlich der Verhütungsgedanke im Vordergrund, da durch den Eingriff keinerlei Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten entsteht.

Welche psychosozialen aber auch gesundheitlichen Gründe können dazu führen, über eine Sterilisation nachzudenken?

  • Die Familienplanung ist bereits abgeschlossen und eine bzw. eine weitere Schwangerschaft ist mit Sicherheit nicht erwünscht.
  • Die sozioökonomische Lebenslage der Frau würde sich negativ auf das Leben des Kindes und / oder auf ihr eigenes Leben auswirken, sprich die Frau bzw. die Familie könnte den angestrebten Lebensstandard nicht weiter erhalten oder wäre durch ein (weiteres) Kind von Armut bedroht.
  • Gesundheitlicher Zustand: Aufgrund einer chronischen Erkrankung der Frau oder anderen schweren Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes, würde ein Schwangerschaft das Leben von Mutter und / oder Embryo gefährden und sollte folglich unbedingt vermieden werden.
  • Viele Frauen entscheiden sich für eine Sterilisation weil sie auf andere Verhütungsmethoden körperlich und / oder seelisch negativ reagieren bzw. diese aus verschiedensten Motiven ablehnen.
  • Die Frau entscheidet sich aufgrund ihrer individuellen Lebensplanung, egal ob als Single oder in einer Beziehung lebend, grundsätzlich und endgültig gegen die Möglichkeit einer Schwangerschaft.

Unabhängig von den Gründen, die zur Entscheidung für eine Sterilisation führen, sollte sich jede Frau im Vorfeld gut über den Nutzen, die Risiken und Nebenwirkungen einer Sterilisation informieren. 

Dazu meint Frau Mag.a Christina Hohenberger, Klinische Psychologin, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Villach: „Auf Wunsch führen wir im Vorfeld der Operation ein Gespräch mit den Frauen, die sich eine Sterilisation wünschen. Dabei geht es darum, gemeinsam völlig wertfrei und objektiv die Beweggründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben, nochmals abzuwägen. Leider sind nicht alle Frauen, die sich für eine Sterilisation entschieden haben, auch ausreichend über alle Risiken, Nebenwirkungen und Konsequenzen des Eingriffs aufgeklärt. Vielen ist gar nicht bewusst, wie endgültig diese Entscheidung tatsächlich ist. Im gemeinsamen Gespräch mit den Frauen entdecken wir oft große Informationslücken im Hinblick auf weitere, individuell passende Verhütungsmethoden. Frauen sollen bewusst, informiert und reflektiert über ihre Gesundheit und ihr Leben entscheiden können.“

Was können Sie tun, um sich auf die Entscheidung für oder gegen eine Sterilisation gut vorzubereiten?

  • Wägen Sie Ihre Lebenssituation und gesundheitliche Aspekte sorgfältig und ohne Zeitdruck ab.
  • Holen Sie sich objektive und unabhängige Informationen zum Nutzen, den Alternativen und Risiken dieser Operation. Gespräche mit dem Arzt / der Ärztin Ihres Vertrauens oder mit Fachkräften in entsprechenden Beratungseinrichtungen können bei dieser Entscheidung eine sinnvolle Entlastung sein. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass Sie wirklich alle Aspekte ansprechen und nachfragen, wenn Ihnen etwas unklar ist.
  • Falls Sie in einer Partnerschaft leben, besprechen Sie das Thema auch gemeinsam und nutzen Sie Ihre Vertrautheit und gegenseitige Wertschätzung als hilfreiche Unterstützung für Ihre Entscheidung.

Egal, ob Sie sich für oder gegen eine Sterilisation entscheiden, lassen Sie sich nicht von anderen unter Druck setzen und nehmen Sie sich Zeit für Ihre informierte Entscheidung.

Broschüren und Linktipps zum Thema:

AGE – Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie e.V. der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
http://www.ag-endoskopie.de/sterilisation
Zugriff am 18.04.2012, 20:23

Gynmed Ambulatorium für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung.
http://www.gynmed.at/index.php/deutsch/verhuetung/sterilisationFrau
Zugriff am 18.04.2012, 20:54

pro:woman Ambulatorium. Sexualmedizin und Schwangerenhilfe. Zentrum für Vasektomie.
http://www.prowoman.at/prowoman.phpsi=
RIwWiNXKmKlOjuJOxeyGwD2Y4HpGVDRk&sub=40&ss=72

Zugriff am 10.10.2013, 11:33

pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband
(Broschüre zum Download enthält sowohl Infos über die Sterilisation der Frau als auch über die Vasektomie)
http://www.profamilia.de/publikationforumonlineberatung/
publikationen/publikationen/erwachsene/verhuetung.html

Zugriff am 10.10.2013, 11:34

Quellenangaben:

AGE – Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie e.V. der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
http://www.ag-endoskopie.de/sterilisation
Zugriff am 18.04.2012, 20:23

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. Leitlinien, Empfehlungen, Stellungsnahmen. Stand August 2008.

Fachgespräch vom 18.11.2011 mit Frau Mag.a Christina Hohenberger, Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Villach.
Wir danken für die kollegiale Zusammenarbeit!

Frauenbericht 2010, Kapitel 5: Gesundheit und Pflege, S.274.
Bundeskanzleramt Österreich, Bundesministerium für Frauen und Öffentlichen Dienst, Wien 2010.

Verhütungsverhalten Erwachsener. Ergebnisse der Repräsentativbefragung 2011.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 2011.
http://www.sexualaufklaerung.de/cgi-sub/fetch.php?id=701
Zugriff am 18.04.2012, 21:15

Bildquellen:
Chancen und Risiken © cirquedesprit – Fotolia.com (http://de.fotolia.com/id/35514080 )
Entscheidung © Kalim – Fotolia.com (http://de.fotolia.com/id/28326668 – leicht abgeändert)

Autorin: Mag.a Iris Wiegele, Psychologin