Menstruation

Wertschätzende Zugänge zum weiblichen Körpergeschehen schaffen

Im Alltag begegnet uns das Thema Menstruation im Zusammenhang mit Hygieneartikeln in Werbespots, in denen Tampons oder Binden mit blauen Flüssigkeiten begossen werden. Harmlos wirkende blaue Flüssigkeit, die von der tatsächlichen Einfärbung von Menstruationsblut nicht weiter entfernt sein könnte. Frauen selbst sprechen – wenn überhaupt – über ihr Menstruationsblut unter vorgehaltener Hand von „den Tagen“ oder „der Regel“. Es scheint fast so, als ob sich nur wenige Frauen einen wertschätzenden Zugang zu diesem so machtvollen weiblichen Körpervorgang erworben hätten. Eine bestürzende Tatsache, wenn man sich dessen bewusst wird, dass eine Frau sich durchschnittlich sechs Jahre ihres Lebens in dieser Phase des weiblichen Zyklus befindet, eine Hochrechnung die sich daraus ergibt, dass Frauen ungefähr 500 mal in ihrem Leben „die Tage“ erleben.

Und gerade dieses „Erleben“ der Menstruationsblutung wird von vielen Mädchen und Frauen als ekelerregend wahrgenommen oder einem bewussten „Erleben“ wird weitestgehend aus dem Wege gegangen mit Unterstützung diverser hormoneller Verhütungsmittel, die Blutungen von vornherein verhindern sollen. Die Gründe für die Ablehnung und Abwertung der Menstruation sind unterschiedlich, wie Frauen selbst es sind. Tatsächlich wurde es Mädchen und Frauen jedoch seit langer Zeit in patriarchal geprägten Gesellschaften erschwert, für ihre Monatsblutung positive Zugänge zu entwickeln. Die Auffassung das Menstruationsblut wäre etwas Unreines, nicht zuletzt entsprungen aus der biblischen Erzählung, die Menstruation wäre der Frau als Strafe für Sünde auferlegt worden, hinterließ tiefe Wunden im Selbstwertgefühl unzähliger Frauengenerationen. Und auch wenn wir heute in einer modernen Gesellschaft glauben, über diese Themen erhaben zu sein, sind es doch tiefverwurzelte Gefühle von Scham und Schuld, die Frauen manchmal unbewusst an ihre Töchter als Grundstimmung weitergeben.

 

Es war nicht immer so … Bedeutung der Menstruation in alten Kulturen

Über einen langen Zeitraum der Geschichte der Frauen hinweg, von etwa hunderttausend bis ein paar tausend Jahre vor Christus, hatten Weiblichkeit und Menstruation einen hohen Stellenwert. Unzählige Mythen und auch Funde zeugen auch heute noch von einer hohen weiblichen Kultur, in der Göttinnenfiguren, weibliche Symbole und Malereien auf die ursprüngliche Bedeutung von weiblicher Körperweisheit hinweisen. Das Menstruationsblut wurde verehrt, da es die einzige Form von Blut ist, die ganz ohne Fremdeinwirkung oder Verletzung fließt. In allen Kulturen galt es daher als Zeichen der Kraft, Gesundheit und Fruchtbarkeit. Auch die Gebärmutter, der Ursprungsort dieses besonderen Blutes, wurde in den alten Kulturen hoch verehrt, beispielsweise heißt sie in der chinesischen Tradition sinngemäß „himmlischer Palast“ oder „schützender Palast“. In der westlichen Tradition wurde sie mit dem Bauch von Mutter Erde gleichgesetzt und durch Höhlen symbolisiert, die damals als heilige Orte für Rituale und symbolische Wiedergeburten galten. Es gibt also zahlreiche Anknüpfungspunkte in alten Traditionen, die einen erneut wertschätzenden Zugang für Mädchen und Frauen ermöglichen würden.

Menarche als möglicher Zugang zur Wertschätzung des weiblichen Körpers

Etwa im Alter zwischen 11 und 15 Jahren kündigt sich bei Mädchen und jungen Frauen die erste Menstruationsblutung, die sogenannte Menarche, an. Die Wahrnehmung dieses Ereignisses stellt oft schon die Weichen, mit welcher Bewertung dieses Thema im Verlauf des weiteren Lebens behaftet sein wird. Einen entscheidenden Einfluss darauf haben weibliche Bezugspersonen wie die Mutter. Reagiert diese auf die beginnende Fruchtbarkeit freudig und bejahend, gab es schon im Vorfeld positive Gespräche und Zugangsmöglichkeiten zu diesen so urweiblichen Vorgängen oder wurden diese Themen tabuisiert und die Reaktion auf die erste Blutung ist schambehaftet oder gar abweisend. Dieses besondere Ereignis zu würdigen bedeutet auch die Weiblichkeit und Fruchtbarkeit an sich zu würdigen. Es vermittelt der jungen Frau wertvolle positive Impulse im Umgang mit ihrem weiblichen Körper in der Phase der Pubertät, die oft ohnehin schon durch Unsicherheit und Unbehagen aufgrund der körperlichen Entwicklungen geprägt ist. Was in alten matriarchalen Kulturen große Initiationsfeste und –rituale unter Frauen rund um die Menarche einer jungen Frau waren, könnte heute ein besonderer Mutter-Tochter-Abend sein, an dem die erste Menstruationsblutung gefeiert und willkommen geheißen wird. Untersuchungen gaben Hinweise, dass Frauen die Ihre erste Menstruationsblutung positiv erlebt haben auch später weniger unter Beschwerden während der Blutung leiden. Positiv heißt in diesem Zusammenhang, dass die weiblichen Bezugspersonen wie die Mutter, weibliche Verwandte und Freundinnen ein positives Frauenbild weitergeben konnten, dass dem Mädchen aber auch genügend körperliche Zuwendung, altersgerechte sexuelle Aufklärung sowie ein unbefangenes Verhältnis zum Frausein und zur Sexualität vermittelt werden konnte.

Bewusster Umgang mit „Menstruationsbeschwerden“

Beschwerden rund um die Menstruation sind sehr verbreitet, drei von vier Frauen berichten während der Blutung zumindest teilweise Schmerzen zu haben. Die Gebärmutter hat sich prall mit Blut und Schleimhaut gefüllt, die sie jetzt mit Hilfe von Kontraktionen der Muskeln in diesem Bereich wieder abstößt, jede Menstruationsblutung gleicht also einer kleinen Geburt. Daher ist ein leichtes Ziehen, ähnlich den Vorwehen einer Geburt, ein natürlicher Prozess. Bereits einige Tage vor der Blutung etwas mehr zur Ruhe zu kommen, um den Prozess des Loslassens zu unterstützen, kann daher schon sehr hilfreich sein. Zur Schmerzlinderung stehen Frauen zahlreiche Methoden zur Verfügung, die einen Griff zur Schmerztablette in vielen Fällen nicht notwendig machen. Neben bekannten Hilfsmitteln wie Heiltees und Wärmflasche kann auch die Stimulation der Klitoris, die mit der Gebärmutter über Nervenbahnen verbunden ist, zu einer Linderung der Bauchkrämpfe führen. Der Weg zur Findung der Hilfsmittel ist ein sehr individueller und persönlicher, der jeder Frau die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit ihren weiblichen Körpervorgängen eröffnen kann. Bei dauerhaften oder wiederkehrenden Schmerzen ist jedoch der Weg zur Gynäkologin / dem Gynäkologen des Vertrauens angeraten, um mögliche andere Ursachen für die Beschwerden wie bespielsweise Endometriose abklären zu können.

Zyklusgeschehen in Job und Gesellschaft

Auch heute noch empfinden viele Frauen einen starken Anpassungsdruck an männliche Normen, wie der Erwartung jeden Tag gleich zu „funktionieren“. Zu den Strategien von Frauen gehören, um diesem Normativ zu entsprechen, oft mit hormonellen Verhütungsmitteln den natürlichen Zyklusverlauf zu unterdrücken, sich bei starken Beschwerden in den Krankenstand zu retten oder den eigenen Körper förmlich „abzuschalten“ und das Spüren versuchen zu unterdrücken. Frauen durchlaufen unterschiedliche zyklische Phasen, in denen oft jeweils unterschiedliche Fähigkeiten und Stärken verstärkt zum Tragen kommen. Eine Bewusstwerdung des Potentials dieser Vorgänge und die Schaffung von Rahmenbedingungen dieses Auszuschöpfen kann sowohl für die betreffende Frau als auch für ihren Arbeitsbereich ungeahnte Möglichkeiten eröffnen wie beispielsweise eine flexiblere Einteilung der Arbeitszeiten im Durchlaufen der Zyklusphasen. Es kann jedoch bereits ein lohnendes Unterfangen sein, für berufstätige Frauen mehr in sich selbst hinein zu spüren und so die eigene Stärke zu finden, denn je mehr Seiten des eigenen Wesens auch im beruflichen Kontext gelebt werden können desto kraftvoller und freudiger kann die Arbeit auch gelebt werden. Es lohnt sich also für Mädchen und Frauen auf vielen Ebenen, sich den Weg zur inneren Quelle neu zu erschließen und in diesem Fall auch für ArbeitgeberInnen!

Buch- und Linktipps

Menstruation – Von der Ohnmacht zur Macht, Dagmar Margotsdotter-Fricke, Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim, 2004

Artikel „Prämenstruelles Syndrom“
http://www.gesundheitsinformation.de/praemenstruelles-syndrom-pms.2112.de.html

Artikel „Merkblatt: Regelschmerzen“
http://www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen.2182.de.html

Artikel „Die erste Regelblutung“
http://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/pubertaet-erste-regelblutung.html

Onlinespiel „Eine Reise nach innen“
http://www.fgz-kaernten.at/gynmodell/start_gynmodell.html

Quellenangaben:

Menstruation – Von der Ohnmacht zur Macht, Dagmar Margotsdotter-Fricke, Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim, 2004

Meine Tage – Quelle weiblicher Kraft und Intuition, Gabriele Pröll, Bauer Verlag, Freiburg, 2002

Körper und Sexualität, Menstruation – für junge Frauen und Mädchen, pro familia, Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Frankfurt am Main, 2004

http://www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen.2182.de.html

Zugriff am 05. Juli 2013, 09:22

Bildquellen
Frau © drubig.photo – Fotolia.com (http://de.fotolia.com/id/40662226)
Bewusster Umgang © MonkeyBusiness – Fotolia.com (http://de.fotolia.com/id/43149865)

Autorin: Mag.a (FH) Christiane Hintermann, Gesundheits- und Pflegemanagerin, Sexualpädagogin