Depression

Tiefpunkte und Stimmungsschwankungen, Gefühle der Erschöpfung und Traurigkeit erleben viele Menschen im Laufe ihres Lebens. Depressive Erkrankungen unterscheiden sich davon. Die Krankheitszeichen (Symptome) sind bei einer Depression deutlich ausgeprägter, häufiger und länger andauernd. Die Betroffenen sind meist in ihrer alltäglichen Lebensführung stark eingeschränkt.

Eine nachdenkliche Frau sieht bedrückt ins Leere

Häufigkeit

Die Depression ist laut Weltgesundheitsorganisation mit geschätzten 30 Millionen Betroffenen weltweit eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Einfacher ausgedrückt: 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer depressiven Erkrankung. Frauen sind sogar doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Gerade bei dieser Krankheit ist Wissen von unschätzbarem Wert. Denn so unterschiedlich alle Menschen sind, so unterschiedlich kann auch die Depression erlebt werden und deren Bewältigung verlaufen.

Folgende Zeichen können Ihnen auffallen:

  • Eine anhaltend gedrückte Stimmung oder Niedergeschlagenheit
  • Verlust von Energie, Antriebslosigkeit, Erschöpfung
  • Freudlosigkeit und Desinteresse
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und ständiges Grübeln
  • Schwierigkeiten, sich zu entscheiden und zu konzentrieren
  • Teilnahmslosigkeit
  • Rückzug von Angehörigen und Freunden
  • Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste
  • Gedanken, nicht mehr leben oder das Leben beenden zu wollen

Körperliche Krankheitszeichen:

Eine Depression kann sich nicht nur durch eine niedergeschlagene Gefühlslage zeigen, sondern kann von weiteren körperlichen Krankheitszeichen begleitet sein. Körperliche Beschwerden, die ein Mensch ohne Depression nicht als einschränkend erlebt, werden von depressiven Menschen oft als schwerwiegend erlebt, was die Stimmungslage wiederum negativ beeinträchtigten kann.

Es kann vorkommen, dass die Betroffene die depressiven Beschwerden nicht zuordnen kann und so häufig zuerst die körperlichen Beschwerden beklagt werden.

Larvierte (maskierte) oder somatisierte Depression

Die larvierte oder somatisierte Depression nennt sich deshalb so, weil sich die Erkrankung vordergründig durch körperliche Beschwerden zeigt. Das Wort „soma“ stammt aus der griechischen Sprache und heißt in der deutschen Sprache „Leib/Körper“. Die Betroffene leidet unter körperlichen Beschwerden wie beispielsweise Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Atembeschwerden. Die Krankheitszeichen wie Traurigkeit und eine gedrückte Stimmungslage werden von Betroffenen nicht vordergründig beklagt. Die für Betroffene als unerklärlich empfundenen Schmerzustände beunruhigen oft sehr und stehen deshalb für sie im Vordergrund. Für die Ärztin oder den Arzt ist die Diagnose einer larvierten Depression schwerer zu stellen, um die depressive Erkrankung als Grund für die körperlichen Beschwerden zu erkennen. Wenn keine körperlichen Ursachen für die Beschwerden gefunden werden oder sich die Beschwerden trotz einer Behandlung nicht bessern, muss als Ursache eine mögliche depressive Erkrankung in Betracht gezogen werden. Oft müssen die Betroffenen viele Untersuchungen und Termine bei Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen wahrnehmen, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Für Sie kann es deshalb wichtig sein, über den komplexen Zusammenhang zwischen psychischen und körperlichen Beschwerden bei depressiven Erkrankungen Bescheid zu wissen!

Die folgende Abbildung gibt einen Überblick:


Grafik_Auswirkungen_von_Depressionen_auf_den_Koerper

Depressionen können in jedem Alter, in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenssituationen auftreten. Eine Gemeinsamkeit haben viele an Depression erkrankte Menschen: unabhängig von Alter, Geschlecht oder Lebenssituation: sie leiden oft im Stillen und ohne fachgerechte Unterstützung an dieser Krankheit, obwohl professionelle Hilfe bei der Bewältigung unterstützt.

Ursachen

Eine Depression kann viele verschiedene Ursachen haben, aber auch ohne auslösendes Ereignis oder erkennbaren Grund auftreten. Oft wirken aber mehrere Ursachen zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

Veranlagung / Genetik
Bei der Depression gibt es – wie bei vielen anderen Krankheiten auch – eine erhöhte Wahrscheinlichkeit selbst daran zu erkranken, wenn die Erkrankung öfters in der Familie vorkommt.

Botenstoffe
Für eine depressive Erkrankung können neurobiologische Auslöser der Grund sein. So wie körperliche Vorgänge durch den Stoffwechsel geregelt werden, wird auch das menschliche Gehirn durch einen Stoffwechsel geregelt. Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn sind dafür verantwortlich, dass Informationen übertragen werden. Auch wenn noch nicht alle Einzelheiten geklärt sind, gehen Fachleute davon aus, dass bei einer Depression das Gleichgewicht von bestimmten Botenstoffen verändert ist und Nervenverbindungen eingeschränkt sind. Ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn kann eine Depression verursachen. Der Botenstoff Serotonin wirkt unter anderem beruhigend, verursacht Zufriedenheit und lindert Angstgefühle, Aggressivität und Traurigkeit. Häufig wird ein Serotoninmangel als Ursache für eine Depression genannt.

Körperliche Auslöser
Depressive Erkrankungen können durch körperliche Erkrankungen (Schilddrüsenerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen) sowie durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden. Das heißt, die Depression kann eine Begleiterkrankung sein.
Alkohol-, Tabletten- oder Drogenabhängigkeit können die Folge einer Depression sein, sie aber auch auslösen oder verstärken.

Komorbidität / Begleiterkrankungen
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, ist höher, wenn man bereits an einer anderen psychischen Erkrankung leidet oder bereits eine depressive Erkrankung, deren Beschwerden nie vollständig abgeklungen sind, hatte.
In der Nationalen Versorgungsleitlinie wird angegeben, dass von hundert Menschen, die an einer depressiven Erkrankung leiden, 50 bis 90 Menschen davon zusätzlich an einer somatoformen Störung erkranken oder 50 bis 60 Menschen davon zusätzlich an einer Angststörung erkranken.

Lebensgeschichtliche Belastungen
Belastende Erlebnisse in der Kindheit, der Verlust eines geliebten Menschen, eine Trennung oder Scheidung, berufliche Überforderung, der Verlust des Arbeitsplatzes, die Belastung durch eine chronische Erkrankung, das Pflegen eines Angehörigen und auch körperlicher sowie sexueller Missbrauch können das Entstehen einer Depression begünstigen.
Stressbelastung im Allgemeinen und der individuelle Umgang mit Stress spielen eine Rolle in der Entstehung einer Depression. Vor allem in der Kindheit eignen wir uns an, mit wie viel Zuversicht und Selbstvertrauen wir in die Welt gehen. Persönlichkeitsmerkmale wie ein geringes Selbstwertgefühl, ein starkes Bedürfnis nach Bestätigung durch andere sowie ein übermäßiger Wunsch, perfekte Leistungen zu erbringen, werden bei Menschen mit einer depressiven Erkrankung häufig beobachtet.

Geschlecht
Wie bereits erwähnt, spielt das Geschlecht eines Menschen eine entscheidende Rolle. Frauen sind doppelt so häufig von einer depressiven Erkrankung betroffen, wie Männer. Geschlechtsunterschiede gibt es bei Depression in Krankheitszeichen und im Krankheitsverlauf. Mögliche Ursachen dafür sind vielseitig: Hormonelle Einflüsse sowie die Lebensumstände von Frauen in der Gesellschaft (Mehrfachbelastungen) zählen beispielsweise dazu. Das Geschlecht spielt aber auch in der Diagnosefindung bei Depressionen eine Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigt, dass Ärztinnen und Ärzte depressive Erkrankungen häufiger bei Frauen diagnostizieren. Depressive Erkrankungen können sich bei Männern durch andere (unübliche) Krankheitszeichen (wie beispielsweise aggressives Verhalten) äußern und deshalb nicht als depressive Erkrankung erkannt werden. Außerdem gibt es in der heutigen Gesellschaft immer noch Zuschreibungen, die Frauen und Männern jeweils typisch weibliche beziehungsweise männliche Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften nachsagen. Frauen werden beispielsweise als gefühlsbetont und passiv gesehen, während Männer aktiv und selbstsicher gesehen werden. Diese stereotypen Ansichten können auch in der ärztlichen Diagnosefindung dazu führen, dass depressive Erkrankungen eher Frauen zugeordnet werden.

Formen der Depression

Eine Depression kann in verschiedenen Formen und Schweregraden vorkommen. Manche Formen entwickeln sich nur unter bestimmten Umständen, etwa nach einer Geburt. Eine genaue Unterscheidung ist schwierig, weil die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Formen oft fließend sind.

  • unipolare Depression

Die häufigste Form der Depression ist die unipolare Depression. Die Krankheitszeichen (Symptome) bestehen dabei über mindestens zwei Wochen. Je nachdem, wie viele Krankheitsanzeichen auftreten und wie stark sie sind, unterscheidet man zwischen einer leichten, mittelgradigen und schweren Depression. Die Beschwerden treten während einer gewissen Zeitspanne (Episode) auf – das können Tage, Wochen oder Monate sein. Nach dieser Zeitspanne klingen die Beschwerden wieder ab. Eine depressive Episode kann nur einmal im Leben auftreten und ohne Folgebeschwerden vorübergehen. Es kommt aber auch vor, dass depressive Episoden öfter nacheinander auftreten oder es nach einer beschwerdefreien Zeit zu einem Rückfall kommt.

  • chronische depressive Verstimmung (Dysthymie)

Manche Frauen haben eine leichter ausgeprägte Stimmungsveränderung. Sie fühlen sich unwohl und unzufrieden, sind aber in ihrem täglichen Leben nicht so stark beeinträchtigt wie bei einer depressiven Episode. Wenn die Beschwerden mindestens zwei Jahre andauern, spricht man von einer chronischen depressiven Verstimmung (Fachbegriff: Dysthymie). Obwohl die Symptome nicht so stark sind wie bei einer unipolaren Depression sind, kann eine Dysthymie aufgrund ihrer Dauer genauso belastend sein.

Eine Abbildung von Depression-Episoden
  • bipolare Depression

Diese wird auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet. Betroffene Frauen durchleben wechselnd extreme Stimmungsschwankungen. In einer Phase zeigen sich Symptome einer Depression. In der anderen Phase sind sie plötzlich in Hochstimmung, sehr reizbar und extrem aktiv. Diese hochgestimmten Phasen können für betroffene Frauen gefährlich werden, da sie vor lauter Überschwang Risiken eingehen.

  • saisonal abhängige Depression (Herbst-Winterdepression)

Ebenso gibt es eine von den Jahreszeiten abhängige (saisonale) Depression, die hauptsächlich im kälteren und dunkleren Herbst und Winter auftritt und sich im Frühling und Sommer wieder bessert oder ganz verschwindet.

  • Wochenbettdepression / postpartale Depression

Nach einer Geburt erleben viele Mütter unerklärliche Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit. Bis zu 15 von 100 Frauen erkranken in den ersten drei Monaten nach der Geburt an einer Depression. Bei manchen Frauen entwickelt sich daraus eine Wochenbettdepression oder postnatale Depression genannt. Beide folgend genannten Formen entstehen in der Zeit rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren des Kindes.

  1. Eine postpartale Depression kann endogen entstehen, das bedeutet, sie entsteht durch körperinnere Vorgänge. Schwankungen der Hormone bei einer schon bestehenden erblichen Veranlagung können eine postpartale Depression auslösen.
  2. Eine postpartale Depression kann aber auch reaktiv entstehen, das bedeutet äußere Einflüsse und Stress sind Entstehungsursache. Depressionsauslösend kann die folgende allgemein verbreitete Meinung sein, dass Mutterschaft oft als etwas besonders Erfüllendes dargestellt wird. Aber eine Mutter zu sein, ist auch schwierig und kräftezehrend. Frauen bekommen oft nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Durch diese (Über-)forderung kann sich eine Depression entwickeln. Die depressive Stimmung ist tatsächlich so belastend, dass es für die Mütter nicht möglich ist, sich um ihr Kind zu kümmern. Zudem erleben sie oft völliges Unverständnis von den Angehörigen, denn nach der Geburt eines Kindes wird erwartet, dass die Mutter glücklich ist. Aus diesem Grund trauen sich diese Frauen oft nicht, mit anderen über ihre Gefühle zu sprechen und haben Angst, nicht dem gesellschaftlichen Idealbild einer „guten Mutter“ zu entsprechen. Dies kann dazu führen, dass sie sich zunehmend zurückziehen. Selbstvorwürfe und Schuldgefühle sind oft die Folgen aufgrund des Verhaltens der Umwelt.

Behandlungsmöglichkeiten

Um eine Depression behandeln zu können, muss die Behandlung an die erkrankte Frau angepasst werden. Daher ist es ratsam, sich an eine Fachkraft (Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner, Fachärztinnen und Fachärzte der Richtungen Psychiatrie, Neurologie oder Fachkräfte aus der Berufsgruppe der klinischen Gesundheitspsychologie) zu wenden. In einem Gespräch können die Beschwerden abgeklärt werden und andere Erkrankungen oder Probleme ausgeschlossen werden, die ähnliche Beschwerden verursachen können, um anschließend das genaue, fachliche Untersuchungsergebnis zu besprechen.

Es gibt verschiedene Wege, eine depressive Erkrankung zu behandeln:

  • Psychotherapie

Die Psychotherapie ist eine der häufigsten Behandlungsmethoden und sie kann nachweislich bei leichten, mittelgradigen und schweren Depressionen (gemeinsam mit Medikamenten) helfen. Studien ergeben, dass die Depression ohne Behandlung bei etwa 57 von 100 Personen nach einem Jahr noch besteht. Mit einer psychotherapeutischen Behandlung sind nach einem Jahr noch etwa 40 von 100 Personen depressiv.

Eine ältere Frau in einem Beratungsgespräch

Es gibt mehrere Verfahren in der Psychotherapie. Das Ziel einer Psychotherapie ist es, dass die betroffene Frau mithilfe der Therapie eine persönliche Vorgehensweise entwickeln lernt, die ihr im Alltag hilft. Einfach beschrieben, hängt all das, was wir denken, wie wir uns fühlen und uns verhalten, eng miteinander zusammen und hat Einfluss auf Gesundheit und Krankheit. Deshalb gibt es verschiedene Formen und Wege, um den momentanen Gesundheitszustand zu verbessern, diese Verbesserung weiter zu fördern und auch zu erhalten.

Wie wirksam eine Psychotherapie ist, hängt von dem durchgeführten Verfahren, vom Schweregrad, von der Art und der Dauer der Depression, aber auch von der Persönlichkeit und den Lebensumständen einer Frau ab. Psychotherapien wirken nicht bei allen Menschen gleich. Manchmal kommt es zu einer raschen Besserung der Beschwerden, es kann aber auch eine längere Behandlung nötig sein. Eine vertrauensvolle Beziehung zu der behandelnden Fachkraft ist die Grundlage jeder Therapie.

Meist finden in der Therapie offene und ausführliche Gespräche mit dem Therapeuten oder der Therapeutin statt. Auch werden gemeinsam Übungen durchgeführt. Dabei wird versucht, negative Gedanken und Verhaltensweisen durch positive zu ersetzen und so die Betroffene in ihrem Selbstwert zu stärken. Wenn ein bestimmtes Erlebnis der Grund für eine Depression ist, so wird dieses gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin verarbeitet. Ist eine belastende Situation Auslöser, wird gemeinsam daran gearbeitet, diese Situation zu verbessern und zu ändern.

  • Medikamente

Jede zehnte Versicherte oder jeder zehnte Versicherte in Österreich nimmt Medikamente gegen Depressionen. Laut OECD-Statistik (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) stieg die Zahl der Verschreibungen in den letzten Jahrzehnten enorm an. Gründe dafür liegen unter anderem darin, dass psychische Erkrankungen eher festgestellt werden, aber auch darin, dass Psychotherapieplätze Mangelware sind, viel Geld mit dem Verkauf von Psychopharmaka (Medikamente für psychische Erkrankungen) verdient werden kann und eine scheinbar einfache Lösung zur Behandlung einer ernsthaften Erkrankung möglich ist.

Depressionen können mithilfe von Medikamenten (Antidepressiva) behandelt werden. Bei leichten Depressionen werden Antidepressiva laut der Leitlinie „Unipolare Depression“ nicht empfohlen. Bei chronischen und mittelschweren Depressionen können Antidepressiva zum Einsatz kommen und laut Studien sind bei schweren Depressionen Antidepressiva kombiniert mit einer Psychotherapie wirksam.

Nutzen
Bei etwa 20 bis 40 von 100 Menschen, die Tabletten ohne Wirkstoff (Placebos) einnehmen, bessern sich die Beschwerden der Depression innerhalb von sechs bis acht Wochen. Bei etwa 40 bis 60 von 100 Menschen, die ein Antidepressivum einnehmen, bessern sich die Beschwerden der Depression innerhalb von sechs bis acht Wochen. Das bedeutet: Bei zusätzlich etwa 20 Menschen bessern sich die Beschwerden der Depression durch die Einnahme des Medikaments.

Wirkung
Antidepressiva greifen in den Stoffwechsel des Gehirnes ein und bewirken, je nach Medikament, dass bestimmte Botenstoffe wieder besser verfügbar sind. Es gibt verschiedene Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Antidepressiva heben die Stimmung, die Wirkungen auf Antrieb oder Motivation sind aber unterschiedlich. Wirkung und Nebenwirkungen der einzelnen Antidepressiva hängen davon ab, welche und wie viele Botenstoffe sie beeinflussen.

Bis die Stimmungsaufhellung von Antidepressiva langsam beginnt, dauert es ungefähr zwischen acht Tagen und drei Wochen. Achten Sie bei der Einnahme von Antidepressiva genau darauf, wie es Ihnen geht, wie Sie sich fühlen oder ob sich Ihre Stimmung verändert. Eine Therapie mit Antidepressiva dauert in der Regel viele Monate. Oft werden diese Medikamente auch über Jahre verschrieben, um einem Rückfall vorzubeugen. Studien zeigen, dass die Einnahme von Antidepressiva das Risiko, erneut depressiv zu werden, senkt, aber nicht ganz verhindern kann. Etwa 50 von 100 Menschen, die ein Medikament ohne Wirkstoffe (Placebo) einnehmen, haben innerhalb von ein bis zwei Jahren einen Rückfall. Etwa 23 von 100 Menschen, die ein Antidepressivum einnehmen, haben in derselben Zeit einen Rückfall.

Anwendung

Es ist wichtig, dass Sie die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt gut absprechen und eine Verschreibung oder Einnahme nicht leichtfertig stattfindet.

Besprechen Sie in einem vertraulichen Gespräch alle offenen Fragen zu Vor- und Nachteilen einer Behandlung mit Antidepressiva sowie zur Behandlungsdauer, zu Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen der Medikamente. Während der Einnahme von Antidepressiva sind mögliche Nebenwirkungen beispielsweise Mundtrockenheit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, innere Unruhe und Störungen der sexuellen Lust bis hin zu Suizidgedanken möglich.

Nach dem Abklingen der Krankheitszeichen dürfen Antidepressiva nicht schlagartig abgesetzt werden. Zum Ende einer Behandlung wird das Medikament langsam ausgeschlichen. Das bedeutet, dass die Menge über Wochen nach und nach reduziert wird. Es ist inzwischen gut dokumentiert, dass das Absetzen zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Auch in den Beipackzetteln wird auf diese Absetzreaktionen hingewiesen. Es kann beim Absetzen zu unerwünschten Wirkungen wie Gleichgewichtsstörungen, Muskelzuckungen, Schlafstörungen, Schwindel oder Unruhe kommen. Die genaue Häufigkeit von Beschwerden beim Absetzen ist nicht bekannt. Es wird angenommen, dass das Eintreten dieser Beschwerden mit der Dauer der Einnahme und der verwendeten Dosis zunimmt. Die Dauer dieser Beschwerden kann von Person zu Person schwanken und von einigen Stunden oder Tagen bis hin zu mehreren Monaten reichen. Solche Beschwerden treten vor allem dann auf, wenn Antidepressiva abrupt abgesetzt werden, aber auch beim Ausschleichen gibt es keine Garantie, dass unerwünschte Wirkungen nicht entstehen. Achten Sie auch hier genau darauf, wie es Ihnen geht, wie Sie sich psychisch als auch körperlich fühlen. Versuchen Sie als Expertin für Ihre eigene Gesundheit gemeinsam mit der Fachärztin oder dem Facharzt diese Symptome richtig einzustufen, ob die Beschwerden in Verbindung mit der Medikation stehen oder nicht, um zu entscheiden, wie das weitere Vorgehen.

Andere Behandlungsmethoden

  • Die Elektrokonvulsive Therapie (Elektrokrampftherapie) findet in der Regel im Krankenhaus unter Vollnarkose statt. Das Gehirn wird dabei elektrischen Reizen ausgesetzt. Sie kommt laut Nationaler Versorgungsleitlinie nur bei einer kleinen Gruppe von Betroffenen und nur bei schweren Depressionen infrage, wenn andere Behandlungen nicht geholfen haben.
  • Auch pflanzliche Präparate können zur Linderung von depressiven Beschwerden beitragen, können aber eine professionelle Behandlung nicht ersetzen. Wirkstoffe von Pflanzen wie zum Beispiel Johanniskraut sind für eine leichte bis mittelschwere Depression laut aktueller wissenschaftlicher Quellen geeignet. Es handelt sich dabei zwar um pflanzliche Präparate, die natürlich zu wirken scheinen, aber auch diese Stoffe können Nebenwirkungen haben. Außerdem sind vielfältige Produkte frei erhältlich, die sich in der Zusammensetzung unterscheiden können. Daher kann eine verlässliche Garantie für die Wirksamkeit aller Produkte nicht gegeben werden. Pflanzenprodukte unterliegen bei ihrer Herstellung auch nicht immer denselben Standards wie Medikamente. Es gibt auch bei pflanzlichen Produkten viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die Inhaltsstoffe können beispielsweise hormonelle Verhütungsmittel unwirksam machen. Besprechen Sie aus diesen Gründen die Einnahme von pflanzlichen Präparaten auf jeden Fall mit dem Arzt oder der Ärztin.

Zusätzliche Unterstützung

  • Manchmal ist es hilfreich, mit Menschen zu sprechen, die dieselben Erfahrungen gemacht haben. In einer Selbsthilfegruppe können Frauen Kontakte zu anderen Menschen knüpfen, die die Beschwerden, Gefühle und Probleme bei Depressionen kennen.
  • Entspannungsverfahren können bei leichten bis mittelschweren Depressionen als Ergänzung zu einer Behandlung durch Fachkräfte eingesetzt werden, um Beschwerden zu lindern. Sie können auch im Rahmen einer Psychotherapie erlernt werden.
  • Bewegung und Sport werden häufig empfohlen, um depressive Beschwerden zu mildern. Das Gefühl, selbst etwas gegen die Beschwerden ergänzend zu einer professionellen Behandlung tun zu können, kann als hilfreich empfunden werden. Für andere Frauen ist es aufgrund der Beschwerden der Depression oft gar nicht möglich, beweglich und aktiv zu werden.
  • Die Lichttherapie ist nach ärztlicher Absprache wirksam, wenn die Stimmung vermutlich durch den Mangel an hellem Tageslicht in den dunklen Monaten (saisonal abhängige Depression) beeinträchtigt wird. Betroffene sitzen dabei mit offenen Augen vor einer speziellen Lampe. Bei anderen Formen der Depression ist die Lichttherapie bislang nicht gut genug untersucht worden, um sagen zu können, ob sie hilft oder nicht.
  • Bei der Wachtherapie handelt es sich um einen Schlafentzug, der die Stimmung aufhellen kann. Auch sie kann nach ärztlicher Absprache ergänzend zu anderen Behandlungen eingesetzt werden. Die Wachtherapie kann als einzige Therapie eine schnell einsetzende Wirkung zeigen und depressive Beschwerden vorübergehend, aber nur kurzfristig bessern.

Information für Angehörige

Eine Depression kann auch im Familien- und Freundeskreis zu Sorgen, Ängsten und Hilflosigkeit führen. Angehörige von Betroffenen sind oft ratlos, sie möchten helfen, wissen aber oft nicht wie sie helfen können. Häufig wird die Hilfe von den Betroffenen nicht angenommen. Für Angehörige kann es auch schwierig zu erkennen sein, ob es sich um eine vorübergehende Traurigkeit handelt oder um eine ernstzunehmende Erkrankung.

Es kann aber auch der Fall sein, dass man als Angehörige oder Angehöriger die Verhaltensänderung wie Stimmungsschwankungen und Traurigkeit nicht nachvollziehen kann. Es kommen Gedanken wie: „Sie hat eigentlich keinen Grund traurig zu sein. Sie kann sich einfach nicht zusammenreißen oder ist einfach zu bequem, um etwas zu ändern. Sie ist selbst schuld, wenn sie die ganze Zeit nur negativ denkt.“ Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung und nicht der Unwille, etwas im Leben positiv zu verändern.

Wenn Sie als Angehörige oder Angehöriger diesen Text lesen: Sie können die Betroffene unterstützen, indem Sie:

  • Beschönigungen und Ausrufe wie „Du hast doch keinen Grund, traurig zu sein“, „Nimm dich zusammen“ oder „Mir geht’s auch manchmal nicht gut, aber das ist ja nicht so schlimm“ vermeiden.
  • sich mit gut gemeinten Ratschlägen zurückhalten. Ein depressiver Mensch kann diese aufgrund der Erkrankung nicht erfüllen.
  • bei der Suche nach Informationen, Hilfe und Behandlungen helfen. Je mehr über die Krankheit bekannt ist, desto besser können Betroffene aber auch Angehörige damit umgehen.
  • anbieten, die Betroffene zu Terminen zu begleiten.
  • auch für sich fachliche oder ärztliche Hilfe zu Rate ziehen.
  • Betroffene ernst nehmen. Nehmen Sie ebenso Suizidgedanken und Suiziddrohungen ernst.

Vergessen Sie dabei nicht auf sich selbst und Ihr eigenes Wohlbefinden.
Tun Sie auch Gutes für sich und achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen.

Linktipps:

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen: Broschüren zur Suizidprävention: http://www.bmgf.gv.at/home/suizid_publikationen. [Zugriffsdatum: 28.09.2016]

Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter: http://www.hpe.at/bundeslaender/kaernten/startseite.html. [Zugriffsdatum: 28.09.2016]

Österreichweite Krisennotrufnummern: Download am 15. August 2016 von http://www.hilfe-in-der-krise.at/index.php/notrufnummern.html

Psychosoziales Beratungszentrum und Psychosoziale Dienste in Kärnten.
Download am 15. August 2016 von https://www.ktn.gv.at/42074_DE-Servicestellen_-Psychosoziales_Beratungszentrum

Pro mente Kärnten: Psychotherapeutische Ambulanz: http://www.promente-kaernten.at/angebote/betreuung/psychotherapie/. [Zugriffsdatum: 28.09.2016]

Selbsthilfe Kärnten: http://www.selbsthilfe-kaernten.at/cms/selbsthilfe_kaernten/index739e.html?section=home [Zugriffsdatum: 28.09.2016]

Weiterführende Link- und Buchtipps:

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin: PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. 2. Auflage, 2016. URL: http://www.patienten-information.de/mdb/downloads/nvl/depression/depression-2aufl-vers2-pll.pdf. [Zugriffsdatum: 20. Juli 2017]

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz: Gender-Gesundheitsbericht, Wien, 2018. URL: https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=661. [Zugriffsdatum: 27. August 2018]

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Depression. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/depression.2125.de.html. [Zugriffsdatum: 20. Juli 2017]

Gute Pillen – Schlechte Pillen; Zeitung für unabhängige Informationen zu Ihrer Gesundheit ohne Einfluss der Pharmaindustrie und ohne Werbung:
Bericht: Kein Kinderspiel – Probleme beim Absetzen von Antidepressiva; 05/2018;

Görlitz, G.: Selbsthilfe bei Depressionen: Expertenrat, Übungen, Lösungen. (4. Auflage) Stuttgart: Klett-Cotta. 2014.

Kramer, F.; Kummer, J.: Depression! Wie helfen?: Das Buch für Angehörige. München: Kösel-Verlag. 2012.

Möller-Leimkühler, Anne Marie: Gender und psychische Störungen. In: Gendermedizin. Krankheit und Geschlecht in Zeiten der individualisierten Medizin hrsg. von Gadebusch Bondio, Mariacarla und Katsari Elpiniki. Transcript Verlag. 2014.

Williams, M.; Teasdale. J.; Segal, Z.; Kabat-Zinn, J.: Der achtsame Weg durch die Depression. (4. Auflage) Freiamt: Arbor Verlag GmbH. 2013.

Quellenangaben:

Ansari, Peter; Ansari, Sabine: Unglück auf Rezept. Die Anti-Depressiva-Lüge und ihre Folgen. Stuttgart. 2016.

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen: Depression und bipolare Störung. URL: https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/psychische-erkrankungen-depression.html. [Zugriffsdatum: 20. Juli 2017]

Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie / Medizin-Transparent.at: Antidepressiva: Absetzen macht Probleme. 2016. URL: https://www.medizin-transparent.at/antidepressiva-absetzen#ref5. [Zugriffsdatum: 20. Juli 2017]

Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie/Medizin-Transparent.at: Antidepressiva: Großer Umsatz, keine Wirkung. 2015. URL: https://www.medizin-transparent.at/antidepressiva-grosser-umsatz-keine-wirkung. [Zugriffsdatum: 20. Juli 2017]

Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie / Medizin-Transparent.at: Raus aus dem Tief mit Johanniskraut? 2015. URL: https://www.medizin-transparent.at/raus-aus-dem-tief-mit-johanniskraut. [Zugriffsdatum: 21. Juli 2017]

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde; et alteri: S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. Langfassung. 2. Auflage, Version 5. 2015. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005l_S3_Unipolare_Depression_2017-05.pdf. [Zugriffsdatum: 20. Juli 2017]

Fava, Giovanni A.; Gatti, Alessia; et alteri: Withdrawal symptoms after selective serotonin reuptake inhibitor discontinuation: A systematic review. (= Psychotherapie and Psychosomatics, 84). 2015. S. 72 – 81. URL: https://www.karger.com/Article/Pdf/370338. [Zugriffsdatum: 21. Juli 2017]

Görlitz, G.: Selbsthilfe bei Depressionen: Expertenrat, Übungen, Lösungen. (4. Auflage) Stuttgart: Klett-Cotta. 2014.

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Stern-Ratgeber: Depression und Burnout. Wege aus dem Seelentief. 01/2015

Stoppe, G.; Bramesfeld, A.; Schwartz, F.: Volkskrankheit Depression?: Bestandsaufnahme und Perspektiven. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag. 2006.

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Bildquellen:

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Autorinnen:

Christina Lobnig, BA:
Gesundheitsmanagerin im Tourismus, Projektmitarbeiterin im Frauengesundheitszentrum Kärnten
Mag.a Viola Goetschalckx:
Sozial- und Integrationspädagogin, fachliche Mitarbeiterin im Frauengesundheitszentrum Kärnten

 

Fachliches Lektorat:

Dr.in Bärbl Beach,
Allgemeinmedizinerin und Fachärztin für Neurologie, Geriatrie und Psychotherapie