Das Lymphödem:

Entlastung für Körper und Seele finden

Das gesunde Lymphsystem eines erwachsenen Menschen ist in der Lage täglich etwa 2,5 Liter Lymphflüssigkeit durch den Körper zu transportieren (Földi & Földi 2009). Kann das Lymphsystem die eiweißhaltige Flüssigkeit (Lymphe) nicht mehr ausreichend weitertransportieren, bildet sich eine gestaute Flüssigkeitsansammlung, das sogenannte „Lymphödem“ (auch lymphostatisches Ödem“ genannt). Die Erkrankung und ihre Folgeerscheinungen beeinträchtigen die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen erheblich.

Das gesunde Lymphsystem eines erwachsenen Menschen ist in der Lage täglich etwa 2,5 Liter Lymphflüssigkeit durch den Körper zu transportieren (Földi & Földi 2009).

Kann das Lymphsystem die eiweißhaltige Flüssigkeit (Lymphe) nicht mehr ausreichend weitertransportieren, bildet sich eine gestaute Flüssigkeitsansammlung, das sogenannte „Lymphödem“ (auch lymphostatisches Ödem“ genannt). Die Erkrankung und ihre Folgeerscheinungen beeinträchtigen die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen erheblich.

Die Lymphtransportschädigung ist entwederDarstellung des menschlichen Lymphsystems

  • durch eine Entwicklungsstörung der Lymphgefäße / Lymphknoten angeboren (primäres Lymphödem) oder
  • durch die Behandlung einer Krebserkrankung, einer Verletzung oder einer Entzündung der Lymphgefäße / Lymphknoten erworben (sekundäres Lymphödem).

Die erworbene Form dieser Störung tritt circa doppelt so häufig wie die angeborene Form auf. Der Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs schätzt, dass in Österreich circa 30 000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen sind, neunmal mehr Frauen als Männer.


Am häufigsten treten Lymphödeme im Bereich der Arme, der Beine, der Genitalien, dem Kopf und der Brust auf.
Schwellungen, Spannungsschmerzen, verminderte Leistungsfähigkeit, Schweregefühl und Bewegungsbehinderungen sind die am häufigsten genannten Symptome. Der Hauptgrund für ein erworbenes Lymphödem bei Frauen ist eine Krebstherapie. Durch die operative Entfernung von Lymphknoten oder Bestrahlung werden die Lymphgefäße häufig beschädigt, der Lymphtransport unterbrochen – ein Lymphödem bildet sich aus.

Am Beginn jeder Lymphtherapie, egal ob die Störung angeboren oder durch eine Krankheit erworben wurde, steht die Abklärung der Ursachen. In weiterer Folge gilt es begleitende Symptome zu behandeln. Die Rehabilitation braucht eine tägliche Behandlung mit Lymphdrainagen, Kompressionsbandagen, Gymnastik und eine Hautbehandlung. Ziel ist es, die erlernten Techniken zur Selbstbehandlung in den Alltag zu integrieren- also auch Hilfe zur täglichen Selbsthilfe.

Doch egal ob die Störung des Lymphflusses die Folgeerscheinung einer Erkrankung oder angeboren ist, eines teilen die meisten Betroffenen: körperlichen UND seelischen Leidensdruck. Nur ein Drittel aller PatientInnen, die in Österreichs führendem Lymphzentrum stationär aufgenommen werden, sind psychisch unbelastet.
Ein weiteres Drittel benötigt dringend psychotherapeutische Behandlung, das verbleibende Drittel der betroffenen Menschen braucht zumindest psychologische Unterstützung im Umgang mit dem Alltag als LymphpatientIn.

Besonders Frauen leiden, neben den oft schmerzhaften Begleiterscheinungen der Krankheit, verstärkt unter den optischen Veränderungen durch das Ödem. Das Körperbild verändert sich zusehends negativ – Selbstwertprobleme, Störungen der Sexualität, sozialer Rückzug, bis hin zu depressiven Verstimmungen, Depressionen und Angststörungen sind die Folge. „Das Lymphödem ist eine Erkrankung mit systemischen Auswirkungen“, meint Herr Mag. Franz Flaggl, Klinischer Psychologe und Organisatorischer Leiter des Zentrums für Lymphologie am LKH Wolfsberg. „Die Pflege des Ödems beansprucht täglich viel Zeit, die Leistungsfähigkeit der Betroffenen ist oft stark vermindert. Durch den individuellen, aber auch gesellschaftlich bedingten, hohen Leistungsanspruch geraten vor allem Frauen häufig unter Druck.

Was kann ich als Betroffene selbst tun?

Um den Leidensdruck zu mindern und erheblich zum Therapieerfolg beizutragen, können Betroffene positiv auf ihre Lebensqualität einwirken. Folgende Themen stehen dabei im Vordergrund:

 

Entlastung für den Körper durch

… Bewegung

Um den Lymphtransport in Fluss zu halten, sind regelmäßige und richtige Bewegung bzw. Entstauungsgymnastik unentbehrlich. PhysiotherapeutInnen, egal ob in der niedergelassenen Praxis oder im Rahmen eines Aufenthalts im Schwerpunktkrankenhaus, zeigen Ihnen entstauende Übungen, die den Lymphfluss fördern und Ihre Beweglichkeit erhalten bzw. steigern.
Zusätzlich sollten Betroffene regelmäßig sanften Sport an der frischen Luft ausüben. Sportarten wie Nordic Walken, Schwimmen oder Radfahren eignen sich dafür besonders gut, weil die Belastung individuell angepasst werden kann, besonders gelenkschonend wirkt und trotzdem positiv auf Ausdauer, Muskelaufbau und (falls nötig, Gewichtsreduktion) wirkt.
Bei Sportarten wie Nordic Walken oder Ähnlichem bietet sich die Bewegung mit Gleichgesinnten ganz besonders an. Durch das Gruppengefühl und die Gelegenheit zum (ungezwungenen) Austausch fällt es vielen Betroffenen leichter, sich regelmäßig zu bewegen, auch wenn das Wetter, die individuelle Gefühlslage oder Anderes nicht dazu einlädt. Bewegung entlastet nicht nur den Körper, sondern befreit auch oft die Seele.

… Ernährung

Achten Sie auf eine möglichst fett- und salzarme Ernährung.
„Selbstkochen statt Fast Food“ ist dabei ein guter Grundgedanke, wobei gemeinsames Kochen mit der Familie und FreundInnen zusätzlichen Spaß an gesunder Ernährung bewirken kann.

… richtiges und konsequentes Bandagieren der betroffenen Körperzonen

Das Bandagieren ist ein ganz wesentlicher Teil der physikalischen Behandlung von Lymphödemen. Der Fachmann / die Fachfrau zeigt Ihnen die richtige Vorgehensweise beim Bandagieren. Besonders bei warmen Temperaturen ist es wichtig, dass Sie die Bandagierung konsequent fortsetzen, da Sie nur so den Lymphfluss optimal unterstützen können.

Entlastung für die Seele durch 

… Gespräche „mit sich selbst“

Das tägliche Leben mit einem Lymphödem ist zweifelsohne eine Herausforderung. Doch diese Herausforderung könnte eine Chance sein, bewusst(er) mit dem eigenen Körper, der eigenen Seele und seinen / ihren Bedürfnissen umzugehen. Hören Sie ganz bewusst auf die Signale, die Ihr Körper / Ihre Psyche

aussenden und handeln Sie Ihren Bedürfnissen entsprechend. Auch wenn der Zeitaufwand für die Körperpflege an sich schon intensiv genug ist, nehmen Sie sich in diesen Stunden bewusst eine Auszeit vom Alltag und gönnen Sie sich diese Pause.

… Gespräche mit Ihren Angehörigen / FreundInnen

Der Austausch mit anderen Betroffenen ist durch das vorhandene Verständnis für die Situation des Gegenübers oft leichter als ein Gespräch mit dem direkten / familiären Umfeld. Doch um Sie optimal unterstützen und entlasten zu können, benötigen Menschen in Ihrem Umfeld ein klares Verständnis für Ihre Situation. Erst wenn Sie bereit sind, positive wie negative Gedanken und Gefühle zu teilen, haben Andere die Chance Sie zu verstehen und dementsprechend zu handeln.

… Gespräche mit anderen Betroffenen

Die eingangs erwähnte Anzahl von 30 000 Betroffenen allein in Österreich zeigt, wie viele Menschen von den körperlichen und den daraus folgenden seelischen Belastungen eines Lymphödems betroffen sind. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann zum Austausch von nützlichen Tipps für den Alltag dienen und kann durch das Gruppengefühl und den sozialen Austausch eine wichtige Entlastung für Sie sein.

… psychologische Unterstützung vom Fachmann / von der Fachfrau

Wie bereits beschrieben, ist auch die seelische Belastung eines Lymphödems zweifellos beträchtlich. Nicht Jede / Jeder braucht im Umgang mit dieser Situation professionelle Unterstützung durch einen Psychotherapeuten / eine Psychotherapeutin, doch Vielen hilft diese Unterstützung im Umgang mit den eigenen Emotionen, den Reaktionen des Umfelds auf die Erkrankung oder anderen wichtigen Themen wie Sexualität und Selbstwert. Im Rahmen des Aufenthalts in Schwerpunktzentren wird (in den meisten Fällen) eine psychologische Beratung angeboten, die auch außerhalb des Krankenhauses von kompetenten Kollegen und Kolleginnen fortgesetzt werden kann. Sollte Ihnen diese Unterstützung nicht automatisch angeboten werden, erkundigen Sie sich danach.

Linktipps zum Thema:

Lymphliga Österreich
http://www.lymphoedem.at/
Zugriff am 11.02.2012, 13:15

Gruppentreffen:

Jeden ersten Dienstag im Monat von 16:30 bis 18:00 Uhr im ÖGB Haus, Bahnhofstraße 44, 2. Stock (Lift), 9020 Klagenfurt
In Wolfsberg nach telefonischer Vereinbarung mit Cornelia Kügele unter 0650-7823534
Im LKH Villach (kleiner Speisesaal) Jeden 1. Freitag im Monat ab 18.00 Uhr
Achtung: Zeit und Ort der Treffen können sich immer wieder ändern. Wir bitten für aktuelle Informationen die angegeben Ansprechpersonen zu kontaktieren.
http://www.selbsthilfe-kaernten.at/cms/selbsthilfe_kaernten/index.php?section=directory&cid=66

Ansprechpartnerinnen:

Sigrid Markovc Tel: 04272/83605
Hangweg 3
9062 Moosburg
Tel + Fax: 04272/83 605
Mail: oell.kaernten@gmx.at
Montag bis Freitag von 10:00 bis 17:00

Ingrid Zandi Tel: 0650/5813556
Montag bis Freitag von 16:00 bis 20:00

Lymphliga Österreich, Landesstelle Kärnten
http://lymphoedem.at/kaernten
Zugriff am 11.02.2012, 14:34

Dachverband der Kärntner Selbsthilfe
http://www.selbsthilfe-kaernten.at/cms/selbsthilfe_kaernten/index.php?section=directory&cid=66
Zugriff am 11.02.2012, 12:56

Deutsche Gesellschaft für Lymphologie
http://www.dglymph.de/
Zugriff am 11.02.2012, 13:05

Deutsche Lymphschulung zur Selbsttherapie e.V.
Informationsbroschüre von PatientInnen für PatientInnen.
Download unter:
http://www.deutsche-lymphschulung.de/content/01-informationen/dls_broschuere_a4_download.pdf

Anleitung Bewegungs-Übungen in bewegten Bildern.
http://www.deutsche-lymphschulung.de/
Zugriff am 11.02.2012, 13:14

Zentrum für Lymphologie, LKH Wolfsberg
www.lkh-wo.at
Zugriff am 11.02.2012, 13:00

Zeitschriften
Informationszeitschrift der Österreichischen Lymphliga (erscheint zwei Mal jährlich)
http://www.lymphoedem.at/zeitung
Zugriff am 11.02.2012, 14:04

Quellenangaben:

Artikel „ Auch die Seele braucht Bandagen! Was bringt die klinisch psychologische Mitbehandlung von psychisch belasteten Patienten in der lymphologischen Rehabilitation?“. Flaggl, F.; Mlecher, M. und Döller, W. In: LymphForsch, Nr.14/2, 2010.

Artikel „Beeinträchtigung bei Lymphödempatientinnen im Körperkonzept und in der Lebensqualität“. Jäger, Gerhild und Döller, Walter und Roth, Roswitha. Landeskrankenhaus Wolfsberg, Institut für Psychologie der Universität Graz. In. Lymphology, Nr.39 (2009).

Artikel „Prävalenz komorbider psychischer Störungen bei Lymphödempatienten in der medizinischen Rehabilitation“. Flaggl, Franz; Döller, Walter; Jäger, Gerhild und Apich, Gert. In: Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, Nr.71, S.71-81, 2006.

Fachgespräch vom 20.12.2011 mit Herrn Mag. Franz Flaggl, Klinischer Psychologe und Organisatorischer Leiter des Zentrum für Lymphologie am LKH Wolfsberg und Frau Mag.a Jasmin Mayer, Klinische Psychologin am Zentrum für Lymphologie.
Wir danken für die kollegiale Zusammenarbeit!

Gesundheitsportal Onmeda, go.feminin.de GmbH
http://www.onmeda.de/krankheiten/lymphoedem-definition-2582-2.html
Zugriff am 11.02.2012, 12:46

Lymphliga Österreich
http://www.lymphoedem.at/
Zugriff am 11.02.2012, 13:15

Lymphödemklinik Wittlinger Therapiezentrum
http://www.chirurgie-innsbruck.at/fileadmin/inhalte/pdf/Wittlinger_Therapiezentrum.pdf
Zugriff am 11.02.2012, 14:54

Melcher, Martina. Verlaufsbestimmende Prädiktoren der psychischen Belastung und des körperlichen Beschwerdedrucks bei Lymphödempatientinnen. Diplomarbeit. Graz, 2011.

Zentrum für Lymphologie, LKH Wolfsberg
http://www.lkh-wo.at/abteilungen-ambulanzen/medizinische-abteilungen/lymphklinik-wolfsberg/
Zugriff am 11.02.2012, 13:12

Bildquellen:
Lymphsystem: © Sebastian Kaulitzki – Fotolia.com (http://de.fotolia.com/id/14324052)
Reden/Schweigen: © fotografiedk – Fotolia.com (http://de.fotolia.com/id/34824667)

Autorin: Mag.a Iris Wiegele, Psychologin