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Burn Out bei Frauen

Das Gefühl von Erschöpfung überkommt Jede/n von Zeit zu Zeit, doch wenn sich daraus ein dauerhaftes „Ausgebrannt-Sein“, eine innere Leere, Sinnkrise und Resignation entwickeln spricht man von einem Burnout-Syndrom (kurz: Burn Out).
Immer mehr Frauen erkranken daran. Genaue Statistiken über Burn Out gibt es hierzulande leider nicht, doch 1.5 Millionen ÖsterreicherInnen können einer Selbsteinschätzung zu Folge dem Leistungsdruck unserer Zeit nicht mehr standhalten und werden als „Burn Out-gefährdet“ eingestuft. Im Jahr 2007 gab jede vierte Frau an, am Arbeitsplatz unter Zeitdruck zu leiden. Körperliche Beschwerden wie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Ohrgeräusche (bis hin zu Tinitus), Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, Schwindel, Herzklopfen oder –rasen und eine stark verminderte Sexualität sind die Folge.
Obwohl beide Geschlechter denselben Risikofaktoren für diese Erkrankung ausgesetzt und mit vergleichbaren Berufs- und Lebensbedingungen gleich häufig betroffen sind, entsteht bei Frauen ein Burn Out unter anderen Basisbedingungen. Schon in der Berufswahl unterscheiden sich Frauen immer noch stark von Männern: im Dienstleistungssektor, helfenden, sozialen und lehrenden Berufen sind Frauen am meisten vertreten und die Burnout-Rate überdurchschnittlich hoch (jede dritte Krankenschwester oder Erzieherin erkrankt einmal in ihrem Leben am Burnout-Syndrom, bei LehrerInnen trifft es Jede/n zweiten). Frauen erfahren in ihrem Streben nach Karriere oft weniger Entlastung im privaten Umfeld und legen, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, den Fokus im Beruf noch immer öfter auf den „Wohlfühlfaktor“ anstatt auf „Macht und Einfluss“. Dadurch geraten sie schnell in eine aufopfernde Position, die viel Arbeit, aber wenig Lohn mit sich bringt. Ähnlich wie im privaten Umfeld wird die Anerkennung durch Andere zum entscheidenden Faktor, die Signale des Körpers und eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt oder gar ignoriert. Doch nicht nur im Beruf finden sich Belastungssituationen, die den idealen Nährboden für die Entstehung des Burnout-Syndroms bieten. Die Mehrfachbelastung von Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Organisation des gesamten Zeitmanagements der Familie trifft oft Frauen am härtesten, der Druck „seine Frau zu stehen“ ist hoch und die Angst zu versagen noch größer.
Wodurch entsteht ein Burn Out?
Über die genauen Ursachen sind sich ExpertInnen noch nicht einig, doch dauerhafter Stress ohne die Möglichkeit, die eigenen Kraftreserven wieder aufzuladen, scheint die Grundlage zu bilden. Eine Reihe von äußeren Faktoren spielt dabei offenbar eine wichtige Rolle:
Dazu gehören Zeit- und Leistungsdruck, fehlende individuelle Gestaltungsmöglichkeiten im Job, die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, hohe Verantwortung bei schlechter Bezahlung, mangelndes Feedback auf das persönliche Engagement, Überforderung und Mobbing.
Betroffene sind oft sehr engagierte und ehrgeizige Charaktere, die sich selbst unter hohen Erfolgsdruck setzen, einen Hang zum Perfektionismus besitzen und am liebsten alles selbst machen wollen. Werden die Kraftreserven ständig bis zum Limit ausgeschöpft, sind Folgen für Körper und Seele vorprogrammiert.
Ein Burnout-Syndrom entwickelt sich nicht von einem zum anderen Tag, sondern schleichend. Dabei kann der Verlauf in 12 Phasen eingeteilt werden, wobei die Dauer jeder einzelnen Phase individuell unterschiedlich ist.
Was kann ich tun?
Dazu Mag.a Jasmin Ruprecht, Klinische- und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin und Persönlichkeitstrainerin aus Villach / Österreich:
Wer an einem Burnout-Syndrom erkrankt ist, sollte dringend ärztliche Hilfe suchen! „Zu den Therapieerfolgen beim Burnout-Syndrom gibt es trotz zahlreicher Einzelhinweise bisher kaum gesichertes Wissen. Am effektivsten ist und bleibt eine individuell angepasste Psychotherapie, die die Ursachen (überhöhte Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus, Angst vor Fehlern, Überfürsorglichkeit, Vereinsamung, Ohnmacht, Abhängigkeit im Sinne von „gebraucht-werden-wollen“ und die Wurzel aller Übel: MANGELNDER SELBSTWERT) dauerhaft beseitigt.“ Dies kann mit verschiedensten Methoden ergänzt werden: Techniken zur Entspannung, wie progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training, sind ebenso wie Sport zum Stressabbau geeignet. „Entlastung, Distanz, Aufbau eigener Ressourcen und Ablegen des Anspruchs auf Perfektionismus bilden eine alltagstaugliche Verhaltensbasis.“
Entscheidend ist vor allem, dass die Methode geeignet ist, ein Teil des täglichen Lebens zu werden! Denn zur Genesung ist eine Änderung des Lebensstils und des Umgangs mit sich selbst unbedingt notwendig!
Wichtig ist ein Gleichgewicht zwischen "Energiespendern" und "Energieräubern", damit es einen Ausgleich gibt und der Stress auch wieder abgebaut werden kann. Denn Stress ist nicht grundsätzlich schädlich, sondern nur, wenn er dauerhaft ist!
• Akzeptiere dass, du nicht „Superwoman“ bist! Das ist auch gar nicht nötig – man liebt dich wie du bist!
• Neuorientierung (z.B.: nicht leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um sich damit ein schönes Leben leisten zu können)
• Reflexion (z.B.: „Bin ich nur dann etwas wert, wenn ich die Bedürfnisse aller anderen befriedige und ja nicht die meinen?“)
• ICH stehe an erster Stelle! Gesunder Egoismus tut mir und meinem Umfeld gut!
• Temporeduktion: Du musst nicht immer Alles sofort erledigen und darfst auch mal Dinge von deiner Liste streichen!
• Verantwortung für dich selbst übernehmen: Ich entscheide über mein Leben und bin mit mir glücklich!
• Schaff dir bewusst Zeit für Entspannung! Gönn dir etwas Schönes zum Verwöhnen!
Ganz wichtig: mit deiner Überforderung bist du nicht allein, vielen Frauen geht es wie dir! Such das Gespräch mit FreundInnen um dich auszutauschen – soziale Kontakte sind ein wichtiger Ausgleich zum alltäglichen Stress! Eventuell gibt es in deiner Nähe auch Frauentreffs, bei denen du dich mit Gleichgesinnten austauschen kannst!
Linktipps und Bücher zum Thema
• Bergner, Thomas M.H. Burnout – Prävention. Das 9-Stufen-Programm zur Selbsthilfe. 3.unveränderter Nachdruck. Schattauer GmbH, Stuttgart 2009.
• Burisch, Matthias. Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. Zahlreiche Fallbeispiele. Hilfen zur Selbsthilfe. 3., überarbeitete Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006.
• Freudenberger, Herbert und North, Gail. Burn-Out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins. 11.Auflage. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2005.
• Müller, Eckhart H. Ausgebrannt – Wege aus der Burnout-Krise.
7.Auflage. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1994.
• Ruhwandl, Dagmar. Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen.
2.Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2007.
Die Bücher zum Thema finden Sie in der Bibliothek des Frauengesundheitszentrum Kärnten zum kostenlosen Verleih während der Öffnungszeiten.
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9.00 - 13.00
Mi 15.00 - 18.30
• Frauensache(n) im Netz – Institut für frauenspezifische Psychotherapie, Supervision, Coaching und Weiterbildung
http://www.frauensache.at/thema/thema-burn.html
• IBOS – Institut für Burnout und Stressmanagement
http://www.ibos.co.at/
Broschüren (kostenlos im Frauengesundheitszentrum Kärnten erhältlich)
Stopp Burn-Out. Wissen, Meinungen, Hilfe und Tipps.
Alternative und Grüne GewerkschafterInnen / Unabhängige GewerkschafterInnen, Wien 2010.
Schau auf Dich!
Fond Gesundes Österreich, Wien 2009.
Seelische Gesundheit: Bewusst lebt besser.
Fond Gesundes Österreich. Österreichische Apothekerkammer. Arge Pharmazeutika. Wien 2005.
Zeitschriften
„Was schützt vor Burn-Out?“, in: Medizin populär. 4/2010.
Quellenangaben:
Ruhwandl, Dagmar. Erfolgreich ohne auszubrennen. Das Burnout-Buch für Frauen.
2.Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2007.
http://www.statistik.at/web_de/dynamic/statistiken/gesundheit/publdetail?id=4&listid=4&detail=511
S.23; Zugriff am 19.05.2010 11:00
http://www.frauensache.at/thema/thema-burn.html
Zugriff am 19.05.2010, 12:33
http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/burnout.shtml
Zugriff am 19.05.2010, 12:46
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