Drucken A1 A2 A3
Wechseljahre Themenübersicht

Wechseljahre 

Eines steht fest: in die Wechseljahre kommen alle Frauen UND Männer. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit, die alle Menschen in Bezug auf diese Lebensphase teilen. Die Wechseljahre sind eine Zeit voll körperlicher und seelischer Veränderungen, ein fließender Übergang in eine neue Lebensphase, die Familie, Freunde, den Arbeitsplatz und noch Vieles mehr betrifft. Wie dieser Übergang empfunden wird, kann von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein. Laut dem Österreichischen Frauenbericht 2010 und dem Kärntner Frauen Gesundheits Programm 2006 durchschreitet diese Zeit ein Drittel aller Frauen ohne nennenswerte Beschwerden. Ein Drittel berichtet von leichten Irritationen und nur ein Drittel aller Frauen leidet tatsächlich unter Beschwerden, die die Lebensqualität merkbar beeinflussen. Für viele Frauen ist diese Phase auch ein Neubeginn – doch ungeachtet dessen, wie Sie diese Zeit wahrnehmen, eines sollte sie nie sein: eine Krankheit! Somit darf ohne Weiteres von Wechseljahren und nicht, wie oft angenommen, von Leidensjahren gesprochen werden. 

Was passiert in den Wechseljahren? 

Beim Klimakterium (=die Zeit der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Monatsblutung; die letzte Monatsblutung wird auch Menopause genannt) handelt es sich um eine Zeit des Wechsels: die Lebensphase, die durch den Menstruationszyklus geprägt ist, geht zu Ende und weicht einem neuen Lebensabschnitt. Bei den meisten Frauen tritt dies durchschnittlich zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr auf – wie der Zeitpunkt der ersten Monatsblutung kann aber auch das von Frau zu Frau sehr variieren. Die Zeit der hormonellen Umstellung, die der Körper durchlebt, dauert im Durchschnitt die folgenden zwei bis sieben Jahre. Wenn ein Jahr lang keine Monatsblutung mehr auftritt, geht man davon aus, dass sich die Frau in der sogenannten Postmenopause befindet.
Bei der Geburt verfügt jede Frau über circa zwei Millionen Eibläschen, die sich bis zur Geschlechtsreife auf 300.000 reduzieren. Während der Wechseljahre sinkt diese Zahl an Eibläschen weiter ab. Außerdem verändert sich der Hormonspiegel im Blut der Frau, was sowohl mit im Gehirn gebildeten Botenstoffen als auch der verminderten Aktivität der Eierstöcke zusammenhängt. Das Absinken des Hormonspiegels ist allerdings kein abruptes Ereignis, sondern ein sehr langsamer Prozess über Jahre hinweg. Während die Hormonproduktion allmählich weniger wird, der Zyklus sich verändert, nimmt die Möglichkeit schwanger zu werden, ab. In dieser Übergangsphase kann es zu einem längeren oder verkürzten Zyklus und starken Blutungen kommen, auch Schmierblutungen können zwischendurch auftreten, was aber völlig normal ist und keinen Anlass zur Sorge gibt. 


Verhütung in den Wechseljahren 

Das Thema Verhütung sollte auch in den Wechseljahren nicht außer Acht gelassen werden. Erst wenn ein Jahr lang keine Menstruationsblutung mehr aufgetreten ist, kann es zu keiner Schwangerschaft mehr kommen. Wie in jeder anderen Lebensphase muss auch während der Wechseljahre jedes Paar selbst entscheiden, wie es verhüten möchte, denn auch in dieser Zeit gibt es kein Verhütungsmittel, das für alle Frauen gleichermaßen geeignet ist. 

• Die gesundheitliche Risiken durch hormonelle Verhütung (Pille, Pflaster, Ring, Dreimonatsspritze, Implantat) erhöhen sich mit dem Alter der Frau. Vor allem Thrombosen (Blutpfropfenbildung) und Schlaganfälle können vermehrt auftreten, aber auch Krebserkrankungen und Belastungsstörungen von Leber, Herz und Kreislauf können die Folge sein. Oftmals wird das Einsetzen einer Kupferspirale oder Hormonspirale als Alternative genannt. Stärkere Blutungen oder Schmierblutungen, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen, aber auch eine Schwangerschaft trotz Spirale sind mögliche Nebenwirkungen. Daher bieten mechanische Verhütungsmittel gerade in den Wechseljahren eine gute Alternative. 

• Mechanische Verhütungsmittel wie das Kondom für den Mann und das Femidom für die Frau, aber auch Diaphragma und Gebärmutterhalskappe (Portiokappe) eignen sich besonders zur Verhütung während der Wechseljahre. Das Kondom schützt zusätzlich vor sexuell übertragbaren Krankheiten. 

• Da der Zyklus in den Wechseljahren sehr unregelmäßig ist und der Körper verstärkt hormonellen Schwankungen ausgesetzt ist, ist vom Gebrauch von Zykluscomputern, der Temperaturmethode und der Beobachtung des Vaginalschleims zu Verhütungszwecken abzuraten. 

• Die Sterilisation ist ein operativer Eingriff mit entsprechenden Risiken und ist vor allem kurz vor Eintritt in die Wechseljahre nur von kurzweiligem Nutzen (d.h. Schutz vor ungewollter Schwangerschaft). Die möglichen körperlichen wie seelischen Belastungen durch die Operation und der gewonnene Nutzen sollten daher gut abgewogen werden. 


Sexualität in den Wechseljahren 

Viele Frauen und auch die Gesellschaft allgemein bringen die Wechseljahre oft mit einer Beeinträchtigung der Sexualität in Verbindung. Die hormonellen Veränderungen haben jedoch nur einen geringen Einfluss auf das Interesse an Sexualität, sexuellem Empfinden und der Orgasmusfähigkeit. Durch den Rückgang der Hormonproduktion (insbesondere der Östrogenproduktion) werden bei vielen Frauen die Schleimhäute im Genitalbereich dünner, wodurch Juckreiz oder Schmerzen entstehen können. Auch kann die Befeuchtung der Schleimhäute der Vagina bei sexueller Erregung manchmal etwas länger dauern, was jedoch durch die Verwendung von wasserlöslichen Gleitgels unterstützt werden kann.
Regelmäßige sexuelle Aktivität (auch durch Selbstbefriedigung) sorgt für eine gute Durchblutung und Durchfeuchtung des Genitalbereichs. In jedem Fall sollte jedoch ein sensibler Umgang mit den eigenen Bedürfnissen und der veränderten Körperlichkeit im Vordergrund stehen.
Veränderungen der Sexualität haben mehr mit der Partnerschaft und dem Thema Altern an sich zu tun. Manche Frauen leiden im Alter primär unter einem Mangel an Zärtlichkeit und Nähe durch Konflikte innerhalb ihrer Partnerschaft oder Partnerverlust. Viele Frauen erleben aber auch während und nach den Wechseljahren eine glückliche und befriedigende Erotik, partnerschaftliche Zärtlichkeit und Sexualität (und dazu zählt natürlich auch Selbstbefriedigung). Die Fähigkeit Liebe und Lust zu empfinden bleibt das ganze Leben lang erhalten, sofern frau sich ihren Bedürfnissen widmet und ihren Körper ganz bewusst und selbstbestimmt wahrnimmt. 


Was kann ich tun? 

Dazu Mag.a Karin Wernig, Psychologin, Lebens- und Sozialberaterin aus Villach / Österreich:
Die Wechseljahre sind eine Zeit des Wachstums und der Veränderung. Dieser Wandel vollzieht sich in Phasen und gibt Frauen eine Chance, diesen neuen Lebensabschnitt bewusst und selbstbestimmt zu erleben. Durch die hohe Lebenserwartung verbringen Frauen heute gut ein Drittel ihrer Lebenszeit nach den Wechseljahren, was zu Fragen nach Identität und Lebensinn führt. In dieser Zeit verlieren viele ihre Eltern, eventuell den Partner / die Partnerin, die Kinder verlassen das Haus („Leeres-Nest-Syndrom“). Aber auch ohne traumatische Erlebnisse gilt es, eine neue Rolle im Leben einzunehmen und sich fernab von Leistungsdenken, Jugendwahn und alten Denkmustern neu zu orientieren. Jede Frau kann sich dabei gut selbst unterstützen: 

• Tun Sie sich und ihrem Körper öfters, und frei von schlechtem Gewissen, etwas Gutes. Sind Sie sich selbst die beste Freundin und nehmen Sie sich dazu ganz bewusst Zeit, die nur Ihnen gehört! 

• Schenken Sie sich Achtsamkeit - nehmen Sie die Veränderungen an und in Ihrem Körper bewusst wahr und lernen Sie sich neu kennen. Dazu zählt auch ein lustvoller Umgang mit Ihrer eigenen Sexualität und der Ihres Partners / Ihrer Partnerin. Leben Sie was Ihnen und Ihrer Partnerschaft gut tut und Sie, fernab der Erwartung Anderer, glücklich macht! 

• Suchen Sie bei körperlichen und psychischen Beschwerden die Beratungsstelle, den Arzt /die Ärztin etc. Ihres Vertrauens auf und wählen Sie selbstbestimmt und kritisch die für Sie am besten geeignetste Unterstützung und Behandlungsmethode aus. Die Suche danach kann oftmals etwas Geduld erfordern, da die Wirkung etwas auf sich warten lässt. Oftmals helfen bereits eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper aus, um Ihr Wohlbefinden zu steigern! 

• Suchen Sie, Ihrem Bedürfnis entsprechend, den sozialen Kontakt mit Ihrem Umfeld. Auch neue Bekanntschaften und gemeinschaftliche Aktivitäten können Ihr Leben sehr bereichern.
Im Gespräch mit Anderen entdeckt frau oft, dass sie mit Ihren Bedürfnissen, Sorgen und der veränderten Situation nicht alleine ist! 

• Setzen Sie sich bewusst mit Ihrer Identität und Ihrem bisherigen Leben auseinander. Der neue Lebensabschnitt kann der Suche nach sich selbst und einer neuen Definition der eigenen Rolle in der Gesellschaft dienen. Neue Dinge auszuprobieren, die eventuell auf den ersten Blick nicht zu Ihnen passen, kann Sie Ihnen selbst näher bringen und neue Zukunftsperspektiven eröffnen. Schließen Sie dazu auch mit alten Konflikten ab und nützen Sie die Chance für einen Neubeginn! 


Linktipps und Bücher zum Thema

• Bührer-Lucke, Gisa. Wechseljahre ohne Hormone. Alternativen bei Hitzewallunge & Co. 1.Auflage . Orlanda Frauenverlag GmbH, Berlin 2004.

• Daub-Amend, Dr.med. Eveline. Wechseljahre. Gesund und bewusst in eine neue Lebensphase. 2.Auflage. aethera im Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH, Stuttgart 2001.

• Free, Pamela J. Dein Körper - dein Zuhause. Gesundheit und Lebensfreude für Frauen in der Mitte des Lebens. Deutsche Ausgabe. Scher Verlag, 1997.

• Kaffka, Andrea A. Wechseljahre Wandeljahre. Die Lebensmitte neu entdecken – mit Chinesischer Heilkunde Beschwerden vorbeugen – ohne Hormone behandeln. Joy Verlag GmbH, Sulzberg 2003.

• Love, Dr. Susan. Das Hormonbuch. Was Frauen wissen sollten. Deutsche Ausgabe. Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main 1997.

• Northrup, Dr.med. Christiane. Weisheit der Wechseljahre. Selbstheilung, Veränderung und Neuanfang in der zweiten Lebenshälfte. Deutsche Ausgabe. 1.Auflage 2005. Verlag Zabert Sandmann, München.

• Rüdt von Collenberg, Dr.med. Irmhilt. Natürlich durch die Wechseljahre. Gräfe und Unzer GmbH München, 1997.

• Schneider Sylvia. Tatort Frau. Der große Hormonschwindel. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2003.

• Scholz, Renate. Wechseljahre sind ganz anders. Mosaik Verlag München, 1998.

• Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und
Gesellschaft e.V.
http://www.akf-info.de/themen/frauengesundheit-von-a-bis-z/?no_cache=1

• Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum e.V. Berlin
http://www.ffgz.de/

• FrauenGesundheitsPortal.de
(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln)
http://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/
• Frauengesundheitszentrum Graz
http://www.fgz.co.at/

• Frauengesundheitszentrum Kärnten
http://www.fgz-kaernten.at/

• Frauensache. Institut für Frauenspezifische Psychotherapie, Supervision, Coaching und Weiterbildung, Wien.
http://www.frauensache.at/frauensache_angebot.html

• Gesundheitsinformation.de. Unabhängig, objektiv und geprüft.
Eine Seite des IQWiG Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.
http://www.gesundheitsinformation.de/wechseljahre.201.56.de.html

• Journal für die Menopause
http://www.kup.at/kup/pdf/5461.pdf

• Sexualität und Älterwerden. Wechseljahre – ein neuer Lebensabschnitt.
Eine Broschüre von pro familia – Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.
http://www.profamilia.de/shop/download/70.pdf?PHPSESSID=20f6734cef405dc90e1ce4be5fc69601


Broschüren

• Hormone? Eine Entscheidungshilfe.
Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.

• Wechsel Jahre. Aufbruch in eine neue Lebensphase. Ernährung und Bewegung. Naturheilkunde. Osteoporose. Hormonbehandlung.
Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum e.V. Berlin. 3.überarbeitete Auflage, Berlin, 2003.


Quellenangaben

• Bührer-Lucke, Gisa. Wechseljahre ohne Hormone. Alternativen bei Hitzewallunge & Co. 1.Auflage. Orlanda Frauenverlag GmbH, Berlin 2004.

• Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum e.V. Berlin. Wechsel Jahre. Aufbruch in eine neue Lebensphase. Ernährung und Bewegung. Naturheilkunde. Osteoporose. Hormonbehandlung. 3.überarbeitete Auflage, Berlin, 2003.

• Kärntner Frauen Gesundheits Programm, S.29. Salzburg und Villach 2006.
http://www.fgz-kaernten.at/images/fgplangfassung.pdf

• Österreichischer Frauenbericht, Wien 2010.
Kapitel 5: Gesundheit und Pflege, S.279
http://www.frauen.bka.gv.at/site/7207/default.aspx

• Sexualität und Älterwerden. Wechseljahre – ein neuer Lebensabschnitt.
Eine Broschüre von pro familia – Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.
http://www.profamilia.de/shop/download/70.pdf?PHPSESSID=20f6734cef405dc90e1ce4be5fc69601




Ihre Meinung zum Thema Wechseljahre
Bitte haben Sie Verständnis, dass Kommentare erst nach redaktioneller Prüfung onlinegeschaltet werden.
Ihr FGZ-Team

Neuen Gästebucheintrag machen